Stefan Schessl
Peinture Sublime

Wie war es möglich, dass ein Werk von so hoher Einschätzung so völlig im Verborgenen gedeihen konnte? Wie war es möglich, dass es so vollkommen durch die Maschen der sanktionierten Aufmerksamkeit schlüpfen und sich doch entfalten konnte? Unangefochten durch jede Enge? Es war möglich, weil der Künstler es verstanden hatte, das Werk durch einen phänomenalen Absickerungsprozess bis auf ein Niveau „nahe Null“ voranschreiten zu lassen, das für den Markt nicht mehr in Betracht kam … und für das der Markt nicht mehr in Betracht kam.

(nach Paul Nizon, „Die Freiheit in der Vogelfreiheit, oder: der Künstler als Paria. Über Louis Soutter“)

Im Zentrum meiner künstlerischen Forschung steht die Malerei. Diese Malerei ist NICHT immanenter Vollzug einer Expressivität oder Selbstausdruck, sondern ist Explikation.
Die Farbspuren auf meinen Bildfeldern sind Ergebnisse eines aleatorischen Prozesses, die aus keiner körperlichen Geste resultieren. Sie intendieren und realisieren (auf einer ersten Ebene) eine Verwischung der Grenze zwischen Absicht und Zufall … zwischen „vorgewusstem“ Bild und jenem Bild, das im Malprozess sich erst entwickelt.

Die Gemälde und Zeichnungen von Stefan Schessl arbeiten mit irreduziblen Vieldeutigkeiten; aber nicht nur mit semantischer Vieldeutigkeit auf der Ebene der Deutung und Bedeutung der Arbeiten, sondern, noch grundlegender, auch schon mit visueller Unentscheidbarkeit oder Vieldeutigkeit auf der Ebene der optischen Erfassung oder Identifikation des Sichtbaren. Damit nehmen sie eine radikale Position ein, die sie in der Geschichte der Hermeneutik an einem reflexiven Endpunkt situieren.

(Johannes Meinhardt, „Die Lust der Differenz. Sensuell-ästhetische und wahrnehmungsreflexive Differentialität in der Malerei von Stefan Schessl“, 2016)

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Private und öffentliche Sammlungen


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